Finanzorganisation in der Partnerschaft: ein funktionierendes System ohne Gemeinschaftskonto

Über Geld zu sprechen ist in Partnerschaften selten rein rational. Dabei wäre genau das hilfreich.

Aber Geld ist nie nur Geld. Es geht um Fairness, Kontrolle, Freiheit, Sicherheit und oft auch um alte Prägungen, die man gar nicht sofort benennen kann.

Hier ein Ansatz, wie meine Partnerin und ich das Geldthema gelöst haben.

Das klassische Modell: Gemeinschaftskonto

Wenn man sich umhört oder ein bisschen liest, stößt man schnell auf das klassische Modell: Ein Gemeinschaftskonto, auf das beide einzahlen, von dem Miete, Einkäufe, Abos und gemeinsame Ausgaben abgehen.

Dieses Modell ist gut und robust. Für viele funktioniert das wunderbar. Für uns war es aber nicht das richtige System.

Unser Ansatz: getrennte Konten, geteilte Verantwortung

Meine Partnerin und ich haben keinen gemeinsamen Topf, sondern jeweils unsere eigenen Konten. Von dort bezahlen wir Dinge wie:

  • Lebensmittel
  • Dinge für die Wohnung
  • Abos (Streaming & Co.)
  • gemeinsame Aktivitäten

Die Lösung, die für uns funktioniert

Auf einem gemeinsamen Urlaub mit Freunden sind wir auf eine App gestoßen, die unser finanzielles Zusammenleben sehr einfach gemacht hat: Splitwise. (Das ist keine bezahlte Werbung oder ähnliches, sondern ein ehrlicher Post über die Nutzung der App)

Das Prinzip ist simpel:

  • Eine Person bezahlt etwas
  • Der Betrag wird in der App eingetragen
  • Standardmäßig wird durch zwei geteilt (oder individuell angepasst)
  • Die App zeigt jederzeit, wer wem wie viel schuldet

Kauft meine Partnerin etwas für 50 €, stehen bei mir 25 € offen. Kaufe ich später etwas in ähnlicher Höhe, gleicht sich das automatisch aus.

Am Ende sieht man: Ist da noch etwas offen? Dann wird überwiesen und ausgeglichen.

Es gibt keinen strikten Ausgleichstag

Wann wird ausgeglichen?

Wir haben dafür keinen fixen Stichtag.

Manchmal sagt jemand von uns: „Hey, da ist schon einiges zusammengekommen.

Manchmal sehe ich selbst: „Okay, da bin ich im Rückstand.

Oder es gleicht sich von selbst aus, wenn man mal mehr einkauft.

Und dann regelt sich das. Easy.

Wichtig: Fixkosten wie Miete, Internet oder Strom laufen nicht über die App. Diese sind in der Höhe konstant und werden direkt überweisen.

Für uns ist es der richtige Weg

Ich bin der Meinung, dass es nicht das eine ideale Modell gibt, das für alle passt.

  • Gemeinschaftskonto?
  • Getrennte Konten?
  • Ein Hybrid aus beidem?

Geht alles.

Entscheidend ist nicht das System, sondern dass es sich leicht anfühlt. Dass es Gespräche vereinfacht und keine neuen Spannungen erzeugt.

Für uns funktioniert das Modell mit getrennten Konten und Splitwise sehr gut. Für euch vielleicht ein ganz anderes.

Wie handhabt ihr das in eurer Partnerschaft?

4 Gedanken zu „Finanzorganisation in der Partnerschaft: ein funktionierendes System ohne Gemeinschaftskonto“

  1. Meine Frau und ich haben eine Art Drei-Konten-Modell. Jeder bekommt sein Gehalt auf das eigene Konto. Anteilig bezahlen wir dann einen Betrag X auf unser Gemeinschaftskonto.

    Vom Girokonto werden laufende Kosten wie Miete, Versicherung, Strom, abgebucht und Lebensmittel bezahlt. Von diesem Girokonto gehen monatliche Sparpläne ab – Rücklagen für den nächsten Autokauf (Reparaturen / Verschleiß werden ebenfalls daraus bezahlt), Urlaubsrücklage und gemeinsamer Notgroschen für Anschaffungen wie die viel besprochene neue Waschmaschine.

    Das restliche Geld bleibt jeweils auf den eigenen Konten. Damit können wir tun und lassen, was wir wollen. Wir haben recht unterschiedliche Ausgaben und wollen uns nicht wegen jedem größeren Kostenpunkt absprechen müssen – daher ist es für uns am einfachsten so.

    Wir haben zusätzliche Regeln dafür, was bei einem Einbruch des Gehalts einer Person passiert. Bei Nachwuchs würde meine Frau den größeren Teil der Elternzeit nehmen – und ich würde ihr dann einen Ausgleich für den Gehaltsausfall und die Altersvorsorge monatlich auf ihr Konto überweisen (wenn man so will: die Bezahlung der Care-Arbeit). Von unseren Konten zahlen wir dann wieder paritätisch die gemeinsamen Kosten.

    Etwas anders ist es mit freiheitsinduzierter Teilzeit, die ich anstrebe. Das gleiche ich durch meine Ersparnisse aus, wenn es so weit ist, sodass ich den Betrag auf das Gemeinschaftskonto beibehalten kann.

    1. Hi,

      super, dass ihr ein gut funktionierendes System für euch gefunden habt.

      Das Gemeinschaftskonto für größere Anschaffungen zu nutzen fällt bspw. bei uns weg, da wir kein Auto haben. Hier sehe ich aber den Vorteil vom Gemeinschaftskonto. Es zwingt quasi auch hier zu einer Rücklage.

      Die Überlegung zum Gehaltseinbruch finde ich top. Ich glaube, dass haben wenige Paare vorab so gut geklärt.

      Zur Teilzeit: Gibt es hier ein bestimmtes Vermögensziel o. ä., das du anstrebst, bevor du die Stunden reduzieren willst? Bei sind es bspw. meine Dividendenerträge.

      Danke für den Einblick!

      1. Hi,

        da wir wie gesagt recht unterschiedlich bei Finanzen vorgehen (sie 15%, ich 50% Sparquote) war es für uns unabdingbar, dem finanziellen Teil unserer Beziehung einen gemeinsam entwickelten Leitfaden zu geben, damit sich niemand übervorteilt sieht. Das wollten wir beide um jeden Preis vermeiden. Wegen Geld sollte einfach kein Streit entstehen – dafür gibt es genug Alternativmöglichkeiten 🙂

        Ich verfolge grundsätzlich eine Dividenden(wachstums-)strategie. Allerdings ist dadurch natürlich meine Ausschüttungsrendite sehr niedrig. Aktuell erhalte ich ca. 550€ netto pro Monat. Der schwache Dollar hat die Anstiege im letzten Jahr doch recht gering ausfallen lassen. Zusätzlich habe ich auch ein paar Aktien, die nicht ausschütten bzw. kaum (Amazon, Alphabet, Berkshire (B 😀 ), die müsste ich vorher umschichten, weil diese – zusammen mit einem Zertifikat (Wikifolio) einen substanziellen Teil meines Depots ausmachen.

        Grundsätzlich ist mein Ziel, bis zum 42. Geburstag 33 Jahresausgaben im Depot zu haben. Damit wäre meine Bruttoentnahmerate bereits so gering, dass ich prinzipiell auch komplett aufhören könnte zu arbeiten. Für mich ist „der Druck arbeiten zu müssen“ aber eigentlich das einzige Problem – grundsätzlich arbeite ich ganz gerne, wenn die Umstände passen. Leider war es in der Vergangenheit auch schon anders…

        Mein Wunschszenario ist es, die Arbeit in meinen 40ern langsam ausphasen zu lassen. Inwieweit das mit der Lebensrealität zusammenpasst, muss ich aber neu evaluieren, wenn es so weit ist. Wenn ich eins im Leben gelernt habe: wer flexibel bleibt, hat es leichter. Einen groben Plan verfolge ich natürlich trotzdem 🙂

        1. Hi, wie gesagt: Ich glaube, damit seid ihr sehr vielen Paaren schon um einiges voraus. 🙂 Ja, das Problem kenne ich. 😉 Ich habe deshalb zusätzlich ein paar Hochdividendenwerte als Satellites ins Depot gelegt, um die Dividendenerträge zu steigern und komme aktuell auf einen höheren Netto-Betrag. Klingt nach einem Plan. Auch das ist bei mir ähnlich, ich arbeite gerne..aber mir ist es lieber, wenn ich „will“ und nicht „muss“. „Wer flexibel bleibt, hat es leichter. Einen groben Plan verfolge ich natürlich trotzdem 🙂“. Find ich gut, klingt gesund und realistisch. 🙂

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